Der Zusammenhang von Temperatur und Geborgenheit

Dies ist ein Auszug aus dem Kapitel “Geborgenheit vermitteln” des Buches “Die sichere Bindung als beste Erziehung”, Band 2 der Buchreihe “Ich halte Dich”

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Das Angebot an den Hund, einen sauberen, kuscheligen und angenehm temperierten Ort aufsuchen zu können, sollte immer vorhanden sein. Er wird diesen besonders in den Momenten aufsuchen, in denen er emotional auftanken muss. Ich erlebe immer wieder, wie sehr die von mir übernommenen Hunde aus schlechter Haltung – deren Fell klebt und ungepflegt ist und an dem regelrecht das erfahrene Leid hängt – sich genießerisch nach dem warmen Bad in die  frischen, behaglichen Decken kuscheln.

Ein warmes Bad bewirkt mehr als nur Sauberkeit. Die Temperatur hat auch einen entscheidenden Einfluss auf das Wohlbefinden, was sich wiederum auf das 
Verhalten auswirkt. In vielen Worten und Metaphern (warmherzig, kaltherzig, der warme Schoß der Mutter, die kalte Schulter) spiegelt sich dieser  Zusammenhang von Temperatur und Gefühl wider, der auch in einer Studie nachgewiesen werden konnte: Kälte erzeugt ein Gefühl der Einsamkeit, Wärme hingegen bewirkt, dass man sich in einer Gesellschaft geborgen fühlt und Personen in der Umgebung positiver wahrgenommen werden.

Welche tiefgreifende Auswirkung Temperatur auf das Wohlbefinden hat, zeigte Harlow in seinen Affenversuchen. Wurde die mit einem kuscheligen Bezug überzogene Drahtgestell-­Ersatzmutter von der sonst üblichen Temperatur von ca. 37 Grad Celsius rasch auf 1 bis 2 Grad Celsius abgekühlt, so konnte bei den Affen „der psychologische Tod“ herbeigeführt werden.

Der Aspekt, dass die körperliche Wärme die zwischenmenschliche Wärme fördert, lässt sich bestens für die Beeinflussung der Mensch­-Hund-­Bindung ausnutzen und ein besonderes Augenmerk auf eine angenehm temperierte Umgebung richten. Dass ein Hund nicht weggesperrt vom Menschen draußen frieren sollte, sollte selbstverständlich sein, und im Sozialverbund mit seinen Menschen sollten sie auch ein gemeinsames Heim haben.

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