„Fiddle about“ – schwierige Situationen überspielen

Das Überspielen einer schwierigen Situation wird auch „fiddle about“ genannt. Es ist einer Situation zuträglicher, wenn Belastungen überspielt werden, anstatt aggressiv zu reagieren.

Das „fiddle about“ ist eine Strategie innerhalb der sogenannten „4F“. Diese „4F“ können sowohl beim Mensch, als auch beim Hund beobachtet werden.
„F“ steht für die Anfangsbuchstaben von
    F fight (kämpfen)
    F flight (flüchten)
    F freeze (einfrieren)
    F fiddle about (herumkaspern)

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Die unterschiedlichen 4F-Strategien erkläre ich gerne am Beispiel einer Betriebsversammlung:
Es werden alle Arbeitnehmer eines Betriebes eingeladen, um sie über die Schließung des Betriebes und damit über den Verlust ihres Arbeitsplatzes zu informieren.  Dies ist für alle Anwesenden eine schwierige Situation, mit der jeder auf seine eigene Art und Weise klarzukommen versucht. So finden sich welche, die sofort auf Angriff gehen und lauthals dagegen halten: „Das könnt ihr nicht mit uns machen!“. Sie haben die Strategie „fight“, das Kämpfen, gewählt. 

Andere wiederum rennen aus dem Versammlungsraum. Sie flüchten, sie sind im „flight“-Modus.

Und wieder andere können weder flüchten, noch bekommen sie den Mund auf – sie erstarren, sie sind eingefroren und zeigen damit das „freeze“.

Sollte denen, die die Situation überspielen mit einem „Ach, was soll´s, ich wollte ja ohnehin mal einen längeren Urlaub machen“ wirklich der Verlust ihres Arbeitsplatzes egal sein? Sicherlich nicht, ihnen ist nicht wirklich zum Spaßen zumute, und das versteht auch jeder. Das Überspielen, das „fiddle about“ ist offensichtlich. 

Beim Hund lassen sich genau die gleichen Strategien beobachten und je nach Erregungslage verschiedene Abstufungen innerhalb der 4F feststellen. So kann das „flight“ sich äußern sowohl in einem ängstlichen oder sogar panisch verzweifelt unternommenen Fluchtversuch als auch in einem sich wie beiläufig hinter seinem Halter anordnen und dabei Schutz und Beistand suchen.

Das „fiddle about“ kann sich darstellen in einem kurzen „spielerischen“ Gehüpfe, vielleicht sogar nur in einem kurzen, angedeuteten Sprung mit einer leichten Oberkörpertiefstellung, kurze schnelle Bewegungen. Möglicherweise überdreht aber auch der Hund komplett, er kann nicht zur Ruhe kommen, übertreibt mit seinen albernen „Spielsequenzen“ und nervt alle Beteiligten, indem er ihnen vor lauter Erregung unsanft entgegenspringt und sie anrempelt.

Bei der für den Hundebesitzer unbequemsten Strategie innerhalb der 4F handelt es sich um den aggressiven Übergriff, das „fight“. Oftmals ist es erst diese Strategie, die den Halter wachrüttelt und eine Verhaltensberatung aufsuchen lässt. Vielleicht sucht der Hund aber auch statt im „fight“ gemäß der Devise „Angriff ist die beste Verteidigung“ eher in der Flucht, dem „flight“, die rettende Lösung.

Was oft weniger beachtet, wenn nicht sogar belächelt wird nach dem Motto: „So ein Feigling“. Das Einfrieren des Hundes, ob nur für einen Bruchteil einer Sekunde oder das Verharren in einer regelrechten Schockstarre stellt das „freeze“ dar. Auch dies wird oftmals vom Hundebesitzer nicht wahrgenommen oder zumindest nicht als störend empfunden.

Die Strategie, die sicherlich am verkanntesten ist und völlig fehlinterpretiert wird, ist das „fiddle about“. „Fiddle about“ steht für ein Überspielen, einem Herumkaspern in einer schwierigen Situation. Man kann es von einem wirklichen Spiel unter anderem unterscheiden an der Anspannung, der zunehmenden Erregung, der Situation an sich, und an der Reaktion des anderen Hundes. Das Auge des Menschen muss darin geschult werden, die Feinheiten im scheinbaren Spiel zu beachten, um das „fiddle about“ vom wirklichen Spiel unterscheiden zu können.

Bei einem echten Spiel nimmt man das Umfeld als nicht belastend wahr, man kann sich erlauben, in das Spiel zu versinken. Stellt jedoch das Umfeld eine Belastung dar, so sind im „fiddle about“ alle Antennen immer noch auf das Umfeld gerichtet, man kann es sich nicht erlauben, sich in ein Spiel zu vertiefen. Entsprechend abgehackt sehen auch die Spielbewegungen aus: Es wird mal kurz mit den Pfoten geklopft, um dann mal schnell nach rechts oder links zu schauen, dann folgt ein weiteres Gehüpfe, um dies dann wiederum zu unterbrechen und die Umgebung zu sichern.